Peak Oil

Verschiedene Arten von Öl



Öl hat sich in der geologischen Vergangenheit durch Spaltung biogener Kohlenwasserstoffmoleküle in kleinere Kohlenwasser-
stoffmoleküle gebildet. Für diesen Entstehungsprozess mussten eine Reihe von Voraussetzungen gegeben sein:

  • ein geeignetes Ausgangsmaterial
  • eine abgeschlossene Umgebung
  • lange Zeiträume
  • hohe Temperaturen.

Nach seiner Entstehung war das Öl beweglich (flüssig) und ist aus dem Öl- Muttergestein entwichen. In den meisten Fällen ist
das Öl zur Oberfläche vorgedrungen, oder es ist in sehr niedriger Konzentration irgendwo im Boden versickert. Nur wenn sich über
dem Öl-Muttergestein eine undurchlässige geologische Schicht befand, ist das Öl entlang dieser Schicht gewandert, bis es sich
schliesslich unter diesem Abschluss gestaut hat. Aus diesen Ansammlungen entstanden Ölfelder mit einer hohen Ölkonzentration.

Die richtige Kombination all dieser Parameter kam in der geologischen Vergangenheit jedoch selten vor. Heute kennt die Geologie
den Entstehungsprozess von Öl im Muttergestein und die anschließende Wanderung zu Ölfeldern sehr genau. Deshalb sind auch
Regionen mit potenziellen Kohlenwasserstoffablagerungen hinreichend bekannt und grosse Überraschungen können nahezu ausge-
schlossen werden, da die Welt ausreichend erforscht wurde.

Konventionelles Öl
Als konventionelles Öl wird das Öl bezeichnet, das mit aktueller Technik unter den gegenwärtig vorherrschenden Wirtschaftsbedin-
gungen produziert werden kann.


Unkonventionelles Öl
Dazu gehören:
- Schweröl mit Werten zwischen 10 und 17°API (unklare Definition)
- Schwerstöl mit Werten unter 10°API * (Teersande gehören in diese Kategorie)
-
Ölschiefer
- Tiefseeöl unter 500 m Wassertiefe
- polares Öl
- Kondensat
- synthetisches Rohöl (SCO)
- Bitumen aus Teersanden
- Erdöl aus Kohle

Flüssiggas (NGL)
Flüssiggas besteht aus flüssigen Kohlenwasserstoffen, die Bestandteil der Erdgasförderung sind und bei der Förderung abge-
schieden werden.

Ölsande (Teersande)
ist Sandstein mit einem Anteil an zähflüssigen Schwer- und Schwerstölen die im Tagbau gefördert werden. Man bezeichnet die-
se Ölvorkommen, die ursprünglich reguläres Öl enthalten haben, aber nachdem sie nahe zur Erdoberfläche gelangt sind, teil-
weise oxidiert worden sind. Die so gebildeten Kohlenwasserstoffe besitzen die Eigenschaften von sehr zähem Bitumen.
Die Ölsande befinden sich nahe der Oberfläche und werden im 
Tagbau gefördert.
Die
Verarbeitung zu synthetischem Rohöl ist sehr aufwändig in Bezug auf Zeit, Technik, Energieaufwand und Umweltverbrauch,
auch wenn die Bilanz für die günstigen Vorkommen besser als bei Ölschiefern ausfällt.
In Kanadas fündigsten Regionen weisen die bitumenhaltigen Schichten eine Bitumenkonzentration in Höhe von 15 bis 20 %
auf, die Förderung erfolgt vorwiegend im Tagebau.
Es sind folgende Prozessschritte erforderlich: Der Teersand wird abgebaut, dann mit Wasser geflutet, um den Sand von dem
leichteren Bitumen zu trennen, der daraufhin in speziellen Raffinerien weiterverarbeitet wird, um den Schwefel (hoher Schwefel-
gehalt von üblicherweise drei bis fünf Prozent) und andere Schwebstoffe abzuscheiden. Diese Prozesse erfordern große Mengen
an Energie, Erdgas und Wasser.
Vorkommen in mehr als 75 m tiefen Schichten werden nicht mehr im Tagebau, sondern mit so genannten in-situ Verfahren abge-
baut.
Ölsande-Vorkommen liegen vor allem in Kanada sowie in Venezuela und Sibirien

Ölschiefer
tonhaltiges Sedimentgestein (kein Schiefergestein), das organisches Material enthält, bei dem es sich nicht um Erdöl, sondern
dessen Vorstufenprodukt Kerogen handelt. Ölschiefer ist ein "unausgereiftes" Ölmuttergestein und enthält nur Kerogen und kein
Öl. (Kerogen ist ein Zwischenprodukt, das im Laufe des Entstehungsprozesses zwischen der Spaltung von biogenem Kohlenwas-
serstoff und der Ölbildung entsteht)
Um die Bildung von Öl abschliessen zu können, muss das Kerogen auf 500° C erhitzt und mit zusätzlichem Wasserstoff versetzt
werden. Dieses abschliessende Verfahren muss in der Raffinerie durchgeführt werden, es erfordert gewaltige Mengen an Energie,
die bei der natürlichen Ölbildung üblicherweise von der Umgebung geliefert werden. Das Kerogen befindet sich noch im Mutterge-
stein, es konnte sich nicht in Ölfeldern sammeln.
Das Verhältnis von Kerogen zu Abfallstoffen ist sehr gering, was den Abbau von Ölschiefer unattraktiv macht. Diese mangelnde
Attraktivität wird durch die Tatsache verstärkt, dass der Schiefer noch andere Stoffe enthält, die eine Gefahr für Mensch und Um-
welt darstellen (z. B. Schwefelwasserstoff).
Ölschiefer wird nicht als eine Energiequelle gesehen, die sich für eine grosstechnische Nutzung eignet. Das liegt vor allem daran,
dass die Energiebilanz bei der Gewinnung sehr ungünstig ist. Dazu kommen Umweltprobleme und wirtschaftliche Gründe, die es
äusserst unwahrscheinlich machen, dass der Abbau von Ölschiefer jemals in großem Stil erfolgen könnte, auch wenn er bis dato
in einigen Regionen in kleinem Umfang betrieben wird.

Tiefseeöl (deep water)
Unter günstigen und seltenen geologischen Bedingungen konnte sich dort wo grosse Deltas ins Meer mündeten, Erdöl an Stellen
bilden, die sich heute in über 200 - 600m Wassertiefe finden. Solches Öl wird als Tiefseeöl bezeichnet. Da die Förderung sehr teuer
und aufwändig ist, wird es oft zu den unkonventionellen Vorkommen gezählt.
Die Vorkommen beschränken sich auf wenige Standorte, von denen die grössten vor den Küsten von Brasilien, Angola, Indonesien,
Nigeria, im Golf von Mexiko und in den USA liegen.

Schieferöl (Light Tight Oil)
besteht aus leichtem Rohöl, das in Gesteinsformationen von tiefer Permeabilität ("Durchlässigkeit") eingeschlossen ist (oft Schiefer-
oder Sandstein). Damit die Förderung von Schieferöl wirtschaftlich ist, muss die Technologie des Hydraulic Fracturing (Fracking) an-
gewandt werden. Die Ressource wird heute vor allem in den USA, genauer in Texas und North Dakota, aus dem Boden gepumpt.
Dazu zwei vertiefte Infos:
1. Kurzstudie von Dr. Adrian Hänni: 
Eine kleine Geschichte vom Fracking
2. Kurzstudie von Dr. Werner Zittel: Fracking - eine Zwischenbilanz

Polares Öl
bezeichnet man Öl, das nördlich des 66. Breitengrades (z.B. in Alaska oder Sibirien) gefördert wird. Infolge der extremen klimati-
schen Bedingungen in der Arktis, ist die Förderung von polarem Öl technisch schwierig und mit sehr hohen Kosten und Risiken
verbunden.

* °API = Klassifizierung welche auf Viskosität beruht (American Petroleum Institute)